Leitfaden · 24. Juni 2026

CFOs, CIOs und CTOs: Erkenntnisse zu KI und Data Governance

Einführung

Warum Finance und IT bei der Data Governance Hand in Hand gehen müssen, um KI erfolgreich zu skalieren. Unternehmen jeder Größe investieren derzeit massiv in künstliche Intelligenz (KI) und treiben deren Einsatz gezielt voran. Für viele Finanz- und Technologieführungskräfte ist KI bereits fest in Prognosen, Planung, Reporting und tägliche Entscheidungen integriert.

Immer häufiger tragen Chief Financial Officers (CFOs), Chief Information Officers (CIOs) und Chief Technology Officers (CTOs) diese Verantwortung gemeinsam. Denn Governance ist weit mehr als nur eine Compliance-Aufgabe. Zugrunde liegende Daten entscheiden darüber, ob KI Vertrauen schafft oder Risiken erhöht. Um zu verstehen, wie gut Unternehmen tatsächlich auf den Einsatz von KI vorbereitet sind, führte OneStream eine Studie mit mehr als 350 Führungskräften in den USA, Großbritannien und Frankreich durch. Dieses eBook fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Studie zusammen.

Governance ist ein Führungsmodell – kein Technologieproblem

Starke Data Governance entsteht dort, wo Finance und IT bei Verantwortlichkeiten, Definitionen und Standards eng zusammenarbeiten.

Die meisten Unternehmen sind sich einig, dass Finance und IT eng abgestimmt sein müssen. In der Praxis scheitert dies jedoch häufig an der Umsetzung. Während Finance in geschäftlicher Relevanz und Auswirkungen denkt, konzentriert sich die IT auf Systeme, Datenherkunft und Kontrollmechanismen. Fehlt ein gemeinsames Betriebsmodell, das beide Perspektiven verbindet, verlieren Governance-Initiativen schnell an Dynamik. Gleichzeitig bleibt oft unklar, wer die Entscheidungen trifft, wer die Datenhoheit besitzt und wer haftet, wenn KI-Ergebnisse Prozesse im großen Stil beeinflussen.

Erfolgreiche Unternehmen bringen Finance und Technologie über ein gemeinsames Governance-Modell zusammen, das folgendes ermöglicht:

  • Die Brücke zwischen geschäftlichem Mehrwert und technologischer Kontrolle
  • Klare Definition von Verantwortlichkeiten
  • Direkte Verankerung von Standards in Datenplattformen und KI-Workflows

Wie Abstimmung in der Praxis aussieht

  • 5,5x

    Unternehmen, bei denen Finance und IT nahtlos aufeinander abgestimmt sind, berichten 5,5-mal häufiger von uneingeschränktem Vertrauen in ihre Daten als Unternehmen ohne diese Abstimmung.

Chief Financial Officer

Definiert und genehmigt geschäftliche Definitionen wie Key Performance Indicators (KPIs), Hierarchien, Wesentlichkeitsschwellen und die Kriterien für entscheidungsreife Daten im KI-Einsatz. Trägt die Verantwortung dafür, wie Finanzdaten Entscheidungen unterstützen.

Chief Information Officer

Verantwortet das Governance-Modell „end-to-end" und etabliert Zuständigkeiten, Datenherkunft, Zugriffsstandards und Richtlinien, damit Daten im gesamten Unternehmen vertrauenswürdig und konsistent bleiben.

Chief Technology Officer

Verankert Governance-Anforderungen direkt in Datenpipelines und KI-Systemen, damit Standards technisch und prozessual durchgesetzt werden.

Datenqualität im Reality-Check: Wunsch und Wirklichkeit

Das Vertrauen der Führungskräfte in ihre Daten eilt der gelebten Data Governance noch voraus.

Unternehmen haben über Jahre hinweg in Plattformen, Integration und Modernisierung investiert. Entsprechend groß ist das Vertrauen vieler Führungskräfte in die Qualität und Verlässlichkeit ihrer Daten. Manchmal ist dieses Vertrauen berechtigt, manchmal nicht.

Was häufig fehlt, ist Konsistenz. Governance-Strukturen existieren zwar oft, werden jedoch nicht einheitlich umgesetzt. Definitionen unterscheiden sich von Team zu Team. Verantwortlichkeiten sind implizit statt klar dokumentiert. Zudem geht Kontext verloren, sobald Daten in Analysen und KI-Modelle einfließen. Zusammengenommen erklären diese Faktoren eine zentrale Diskrepanz: Viele Führungskräfte geben an, dass Governance-Programme bereits existieren oder aufgebaut werden, deutlich weniger Unternehmen verfügen jedoch über formalisierte und konsequent durchgesetzte Governance-Strukturen, die fest in tägliche Entscheidungen und KI-Workflows integriert sind.

Das Ergebnis ist eine wachsende Lücke zwischen Vertrauen und tatsächlicher Governance-Disziplin. Informelle Abstimmung funktionierte, solange Analysen überschaubar blieben. Mit KI lässt sich dieser Ansatz jedoch nicht skalieren.

Wie Abstimmung in der Praxis aussieht

Vertrauen versus Realität bei der Datenreife
AussageAnteil der Führungskräfte
Glauben, dass ihre Data Governance den flächendeckenden KI-Einsatz unterstützen kann79%
Stellen ihre Daten mindestens einmal im Monat infrage61%

Chief Financial Officer

Definiert und veröffentlicht verbindliche Finance-Definitionen (z. B. KPIs, Hierarchien und Regeln für den Finanzabschluss) und legt formell fest, welche Daten für den KI-Einsatz als „entscheidungsreif" gelten.

Chief Information Officer

Setzt diese Standards operativ um – durch klare Zuständigkeiten, Datenkatalogisierung und nachvollziehbare Datenherkunft –, damit für jedes kritische Datenelement Verantwortung und Nachvollziehbarkeit sichergestellt sind.

Chief Technology Officer

Verankert Governance-Anforderungen auf Anwendungs- und KI-Ebene und stellt sicher, dass Modelle und Analysen ausschließlich auf kontrollierte, gekennzeichnete und versionierte Datensätze zugreifen können.

Die wirtschaftlichen Folgen schlechter Datenqualität

Da KI zunehmend in zentrale Finance- und Geschäftsprozesse integriert wird, rücken die geschäftskritische Bedeutung und die konkreten Folgen mangelhafter Datenqualität immer stärker in den Fokus.

Sobald KI in Finance-Workflows eingebunden ist, werden Datenprobleme schneller sichtbar, häufig mit erheblichen Auswirkungen. Fehler, die früher manuell erkannt wurden, wirken sich heute direkt auf Prognosen, Abschlussprozesse und Entscheidungszyklen aus.

Ohne eine formalisierte Governance agieren Teams notgedrungen reaktiv: Sie korrigieren lediglich fehlerhafte Ergebnisse, statt Risiken proaktiv zu minimieren. Mit der zunehmenden Integration von KI in zentrale Finance- und Geschäftsprozesse verlangsamt dieser reaktive Ansatz nicht nur Entscheidungen, sondern erhöht zugleich finanzielle, regulatorische und Reporting-Risiken in großem Maßstab. Gleichzeitig wächst der Druck, da Vorstände zunehmend messbare Ergebnisse aus KI-Investitionen erwarten.

Wie Abstimmung in der Praxis aussieht

Die Kosten schlechter Daten
BefundAnteil der Führungskräfte
Berichten, dass ein schwerwiegender Vorfall aufgrund schlechter Datenqualität ihr Unternehmen mindestens 500.000 US-Dollar gekostet hat72%
Berichten von Schäden über 1 Million US-Dollar37%

Chief Financial Officer

Definiert, was als „wesentlicher" Datenfehler gilt, und fordert regelmäßiges Reporting über die finanziellen und regulatorischen Auswirkungen von Datenproblemen.

Chief Information Officer

Implementiert unternehmensweites Monitoring der Datenqualität mit klaren Verantwortlichkeiten, definierten Eskalations- und Korrekturprozessen sowie verbindlichen Service-Level-Erwartungen.

Chief Technology Officer

Stellt sicher, dass KI-Systeme Eingabedaten validieren und Ergebnisse protokollieren, damit Fehler nachvollzogen, isoliert und behoben werden können, bevor sie sich im großen Maßstab auswirken.

Das KI-Paradoxon: Mehr Tools, höhere Risiken

Der Druck auf Unternehmen, KI zügig zu implementieren, wächst. Dies führt häufig zu einer unkontrollierten Tool-Landschaft – oft ohne adäquate Governance und mit drastisch steigenden Risiken.

KI begeistert und genau deshalb versuchen viele Unternehmen, ihre KI-Initiativen möglichst schnell auszuweiten. In der Folge wächst die Zahl der eingesetzten KI-Tools kontinuierlich. Das Paradox ist einfach: Mit zunehmender Skalierung werden bestehende Schwächen verstärkt. Ob Unternehmen sechs oder mehr als zehn KI-Tools einsetzen, das Muster bleibt gleich.

Werden neue Tools schneller eingeführt als Governance-Strukturen aufgebaut werden, steigt nicht der Erkenntnisgewinn, sondern das Risiko. Jedes zusätzliche Tool bringt neue Datenflüsse, neue Annahmen und neue potenzielle Fehlerquellen mit sich. Fehlt Governance auf Datenebene, verstärkt KI bestehende Unsicherheiten.

Wie Abstimmung in der Praxis aussieht

  • 4x

    Führungskräfte, die Entscheidungen auf Basis schlechter Daten getroffen haben, nutzen viermal häufiger zehn oder mehr KI-Tools als ihre Vergleichsgruppen.

Chief Financial Officer

Fordert formale Freigabeprozesse für KI-Initiativen, die Datenhoheit, Definitionen und Entscheidungsverantwortung verbindlich klären, bevor neue Anwendungen eingeführt werden.

Chief Information Officer

Standardisiert einen kontrollierten Datenkatalog und schreibt vor, dass KI-Projekte ihre Eingangsdaten ausschließlich aus freigegebenen, dokumentierten Datenbeständen beziehen dürfen.

Chief Technology Officer

Setzt technische Leitplanken durch (z. B. Whitelists für Anwendungen und Zugriffskontrollen), um sicherzustellen, dass KI-Systeme keine Verbindung zu unkontrollierten Datenquellen herstellen können.

Generationenwechsel im Management – höhere KI-Risiken

Die nachrückenden Verantwortlichen in Finance und IT treiben die KI-Einführung rasant voran – häufig jedoch ohne die nötigen Governance-Strukturen und Erfahrungswerte, um Risiken wirksam zu begrenzen.

Diese neue Generation von Führungskräften ist im Umgang mit KI geschult und agiert hochdynamisch. Das ist grundsätzlich ein Vorteil. Das Risiko verschärft sich jedoch genau dort, wo die Implementierungsgeschwindigkeit die erforderlichen Kontrollstrukturen überholt. Die Folgen sind dabei keineswegs theoretisch: Sie zeigen sich in finanziellen Verlusten, regulatorischen Risiken und sinkendem Vertrauen in KI-gestützte Ergebnisse. KI-unterstützte Entscheidungen ohne klare Leitplanken für Datenqualität, Verantwortlichkeiten und Governance können finanzielle und regulatorische Risiken verursachen, die sich im Nachhinein nur schwer korrigieren lassen.

Wie Abstimmung in der Praxis aussieht

Wesentliche Entscheidungen auf Basis schlechter Daten, nach Altersgruppe
AltersgruppeAnteil mit einer Entscheidung auf Basis schlechter Daten
25–4451%
ab 45 Jahren39%

Chief Financial Officer

Definiert klare Entscheidungsleitplanken für KI-gestützte Finance-Prozesse, einschließlich Freigabeschwellen und eindeutiger Verantwortlichkeiten.

Chief Information Officer

Standardisiert Zugriffe und Workflows, damit Teams schnell arbeiten können, ohne Governance-Kontrollen zu umgehen.

Chief Technology Officer

Verankert Governance, Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit direkt in KI-Tools und Nutzererlebnissen.

Fazit

Während Finance definiert, was als „korrekt" gilt, verankert die IT diese Standards direkt in den Datenpipelines und KI-Workflows. Auf diese Weise wird Governance nicht zum Hindernis, sondern zum Enabler.

Unternehmen, die Governance erfolgreich umsetzen, bremsen KI nicht aus. Stattdessen bringen sie Finance und Technologie gezielt zusammen, damit KI geschäftliche Logik, finanziellen Kontext und klare Verantwortlichkeiten widerspiegelt. Mit klar definierten Verantwortlichkeiten und Daten, die als strategischer Vermögenswert behandelt werden, liefert KI genau das, was Führungskräfte erwarten: schnellere Entscheidungen, höhere Verlässlichkeit und messbare Ergebnisse im großen Maßstab.

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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Warum ist KI-Data-Governance eine Führungsfrage und kein reines Technologieproblem?

Starke Data Governance entsteht dort, wo Finance und IT bei Verantwortlichkeiten, Definitionen und Standards eng zusammenarbeiten – nicht allein durch Tools. Unternehmen mit vollständig abgestimmten Finance- und IT-Bereichen berichten 5,5-mal häufiger von uneingeschränktem Vertrauen in ihre Daten als Unternehmen ohne diese Abstimmung.

Wie groß ist die Lücke zwischen Vertrauen in die Daten und formaler Governance?

Fast vier von fünf Führungskräften (79 %) sind überzeugt, dass ihre Data Governance den flächendeckenden Einsatz von KI unterstützen kann, doch fast zwei Drittel (61 %) geben an, ihre Daten mindestens einmal im Monat infrage zu stellen – ein Zeichen dafür, dass informelle Abstimmung mit KI nicht mehr skaliert.

Was kosten schlechte Daten Unternehmen tatsächlich?

Nahezu drei von vier Führungskräften (72 %) berichten, dass ein schwerwiegender Vorfall aufgrund schlechter Datenqualität ihr Unternehmen mindestens 500.000 US-Dollar gekostet hat, und 37 % berichten von Schäden über 1 Million US-Dollar.

Erhöht der Einsatz weiterer KI-Tools das Risiko?

Ja, ohne Governance. Führungskräfte, die Entscheidungen auf Basis schlechter Daten getroffen haben, nutzen viermal häufiger zehn oder mehr KI-Tools als ihre Vergleichsgruppen, und 95 % von ihnen äußern Bedenken hinsichtlich KI-bezogener Risiken, darunter fehlerhafte Entscheidungen (37 %) und fehlerhafte Finanzberichterstattung (20 %).

Sind jüngere Finance- und Technologieführungskräfte stärker von KI-bedingten Risiken betroffen?

Ja. Mehr als die Hälfte (51 %) der Führungskräfte im Alter von 25–44 Jahren gibt an, bereits eine wesentliche geschäftliche Entscheidung auf Basis fehlerhafter Daten getroffen zu haben, verglichen mit 39 % der Führungskräfte ab 45 Jahren.

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